Wärme

ofen

Einmal hatte ich besonders viel Glück im Leben. Da hat mir ein alter Freund einen Ofen geschenkt.

Damit ich den in mein Gartenhäuschen stellen kann, mich abends davorsetzen und dem Lebensabend entgegenblicken.

Das Gartenhäuschen habe ich mit meinen Freunden eigentlich nur gebaut, damit es einen Ort für einen Ofen und mich gibt.

Wärme war früher kein besonders interessantes Thema für mich. Die war einfach da. Aber wenn man plötzlich so 1889-mäßig wohnt, ist sie plötzlich eine feste Größe im Winteralltag, denn man muss sie herstellen, die Wärme, bevor man sie haben kann.

Und dann ist so ein Ofen auch ein bisschen wie eine neue Beziehung. Man muss erst mal ganz viel Zeit miteinander verbringen und sich gründlich kennenlernen.

Mit einem Ofen ist es natürlich ziemlich einseitig, weil ich ja immer nur vor ihm sitze und ihn anstarre und gucke was passiert, je nachdem, was ich hineingebe und mich darüber freue, wie toll das alles ist.

Vielleicht starrt er auch zurück und ich merke es nicht. Jedenfalls habe ich in der Anfangsphase nicht viel anderes auf die Beine gestellt bekommen, als ich den Ofen kennenlernte. Vollauf beschäftigt damit, die Temperaturentwicklungen zu verfolgen, einfach da zu sitzen und festzustellen, wie sich das jetzt alles anfühlt, mit so einem Ofen im Leben. Wie es ist, aus dem Fenster zu gucken und den trüben Garten zu betrachten, wenn es ganz warm dabei ist und ein Feuer neben einem flackert. Wie das ganze Leben mit diesem Ofen aussieht, von innen, von außen, von der Seite.

Wunderschön natürlich. Denn wenn man rausgeht, aus dem Gartenhäuschen, steht man im Dunkeln vor einer 18qm dicken Holzkiste, die bislang nur mit Kerzen erhellt werden kann. Und wenn man dann so da steht, die dicke Holzkiste, kerzenerleuchtet, im hintersten Winkel des Gartens, am äußersten Zentimeter des Dorfes, über ihr ein ungestörter Sternenhimmel mit milky way und dann geht auch noch der Mond auf und hinter dem Haus wird die Silhouette der Bäume sichtbar, also wenn dieser Moment gewesen ist und man dabei war, dann kann man eigentlich auch direkt im Anschluss tot umfallen, denn dann ist das Wichtigste gewesen.

Wenn ich einschlafe, knistert er noch ein bisschen vor sich hin. Und morgens kann ich einen Kessel mit Wasser draufstellen und dann bekomme ich einen Tee.

Dann habe ich festgestellt, dass er nachts Lärm macht. Oder ich hab es dann erst gehört, weil honeymoon vorbei war schon. Die Parallelen werden jetzt erschlagend. Genau genommen ist es nicht der Ofen, der nachts Lärm macht, sondern das russische Zwiebeltürmchen, das sich so fleißig dreht und damit Geräusche verursacht, die richtig nerven.

Seitdem die Scheibe gewischt ist, ist es wie 3D-Kino. Kann sein, dass diesen Winter einfach nicht viel passiert, rein äußerlich betrachtet.

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