Freddy

enten

Manchmal können Uwe-Bob und ich die Vögel nicht ins Bett bringen, dann bitten wir ausgewählte Mitglieder der Nachbarschaft um Hilfe. Einmal hab ich Frau Pikant gebeten. Danach hatten wir nur noch 3 indische Laufenten und nicht mehr 4, weil etwas wirklich Schreckliches passiert war und Frau Pikant darüber die Enten vergessen hat.

Was weg ist, ist weg.

Also hatten wir lange Zeit nur 3 Enten, aber plötzlich kam Uwe-Bob auf die Idee, dass die Entenfrauen gerne wieder einen Mann hätten und hat Freddy auf ebay gefunden.

Freddy ist ein indischer Laufentenerpel und ihm standen harte Tage bevor, als er zu uns kam. Der Garten ist groß und die Enten dürfen im Gegensatz zu den Hühnern überall rumlaufen, schließlich sollen sie die Schnecken fressen und möglichst viel unterwegs sein, weil das lustig aussieht.

Die Entenfrauen hatten in Wirklichkeit gar nicht auf einen Mann gewartet und rannten ab dem Zeitpunkt seiner Ankunft in höchster Aufregung vor ihm weg. Freddy war so herzerweichend überfordert, mit einfach allem. Der Garten so groß, die Beine so wackelig, die drei aufgeregten Frauen, die mangelnde Orientierung. Es war alles einfach zu viel für ihn, das sah man gleich.

Den ganzen Tag, den wir im Garten verbrachten, hatten wir nebenbei ein Auge darauf, wie Freddy‘s Eingewöhnung verlief. Sie verlief holprig. Er lief in immer neue Richtungen, blieb dann relativ abrupt stehen, weil er wahrscheinlich plötzlich merkte, dass es gar kein Ziel gab und pendelte mit dem Oberkörper gefährlich schwankend, bis er sich wieder gefangen hatte und mit neuem Anlauf in eine andere Richtung rannte. Während er abwechselnd so rumlief und schwankend in der Gegend stand, entdeckte er unterwegs die Hühner. Bei denen blieb er dann erst mal eine Weile und ruhte sich aus. „Er ist unter Hühnern aufgewachsen“ erläuterte Uwe-Bob. Da saß er dann, an den Hühnerzaun gedrückt, während die Hühner auf der anderen Seite keine weitere Notiz von ihm nahmen.

Wenn er sich ausgeruht hatte, unternahm er immer mal einen neuen Versuch, um Kontakt mit den Entenfrauen zu knüpfen. Aber sobald er in ihre Nähe kam, klinkte es völlig bei ihnen aus. Man lernt viel über die Gesellschaft und das Leben an sich, wenn man Vorgänge im Garten aufmerksam beobachtet. Freddy näherte sich und Madame Fondue und die anderen schnatterten und quakten ohrenbetäubend, gestikulierten wild, vielsagend und doch unverständlich mit den Flügeln und verdrehten ihre Hälse ungesund, um dann mit einem Wusch vor Freddy wegzulaufen. Dann stand er wieder allein da und schwankte.

Uwe-Bob und ich beobachteten das Geschehen aus einer gewissen Entfernung. „Das erinnert mich an die Highschool“ sagte Uwe-Bob.
Die erste Nacht haben wir Freddy dann erstmal besser im Nebengebäude untergebracht. Das ist ein kleines Holzhäuschen neben dem größeren Holzhäuschen, dem Hauptgebäude, in dem normalerweise alle Enten zusammen schlafen und das ungefähr den Umfang einer Hundehütte hat. Tage und Wochen zogen ins Land. Mittlerweile sind sie alle Freunde, manchmal sogar mit Benefits, schwimmen zusammen auf dem Teich, gründeln um die Wette und teilen sich das Hauptgebäude. Aber man sieht Freddy trotzdem noch öfter bei den Hühnern. Ankommen braucht Zeit.

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