Der weiße Porsche.

Freundschaft ist etwas sehr schönes. So schön wie essen und Katzenschwänze beobachten und noch so viele andere Dinge.

Frau Eckbert, die neue Freundschaft, die ich im vergangenen Winter geschlossen habe und ich gehen gerne spazieren. Seitdem ich denken kann, habe ich immer aktuell mindestens eine Freundin mit Hund in meinem Leben. Das ist sehr praktisch, weil man auf diese Weise nicht so viel rumsitzt, aber wenn man es dann doch tut, gibt es immer ein paar Hundeohren, an denen man rumkneten kann. Denn Hundeohren sind eine der schönsten Sachen auf der Welt. Neben Freundschaften, essen und Katzenschwänze beobachten. Wenn ich mir aussuchen könnte, wie ich aussehe, hätte ich Hundeohren und einen Katzenschwanz.

Frau Eckbert und ich haben also die schöne Angewohnheit, zusammen spazieren zu gehen. Ihr Hund schleppt mit großen Ambitionen ohne Ziel einen quietschenden Gummischuh im Maul durch das Gebüsch und meistens zwitschern die Vögel. Manchmal gibt es zu Beginn des Spaziergangs ein Problem. Dann erklärt die eine den Hinweg lang das Problem, die andere stellt mal eine Zwischenfrage und irgendwann drehen wir um. Auf dem Weg zurück erklärt die andere dann die Lösung. Dann sind wir meistens ziemlich zufrieden und fröhlich, essen vielleicht noch was zusammen oder trinken Kakao und widmen uns dann wieder unseren eigenen Leben.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass uns jemals jemand begegnet ist auf einem dieser Spaziergänge, weswegen es außerordentlich merkwürdig und auch etwas unheimlich war, als wir jüngst ein Auto den Feldweg entlangschuckeln sahen, als wir unterwegs waren.

Noch etwas geschädigt vom Tempelhofer Feld riet ich Frau Eckbert, schnell ihren Hund an die Leine zu nehmen, saubere Autos die Feldwege entlangschuckeln, können kaum etwas Gutes bedeuten. Ordnungsamt! Oder schlimmeres!

Am Ende des Feldwegs, der nämlich im Nirgendwo landet, hielt also dieses saubere Auto neben uns und drin saßen doch tatsächlich Polizisten. Zivilpolizisten. Als sei das nicht schon komisch genug, begrüßten die beiden Männer uns und fragten: „Haben Sie vielleicht einen weißen Porsche gesehen?“ Diese Frage war sicherlich sehr seltsam, den Umständen entsprechend. Noch viel seltsamer allerdings war, als ich den Mund aufmachte und sagte „Ja!“. Ich erklärte, dass ich vor einer Stunde auf dem Heimweg von einem weißen Porsche derartig unangenehm überholt worden war, kurz vorm Ortseingang, dass es ordentlich gewackelt hat, mein kleines Auto, und ich einen schnellen Blitz voll Boshaftigkeiten hinterhergeschickt habe. Das mit dem Blitz hab ich nicht erzählt, aber das mit dem Wackeln schon. Als mich die Polizisten aus ihrem kurzen Verhör entließen, guckte Frau Eckbert mich an, als hätte ich den beiden gerade ein Märchen erzählt. Verständlicherweise.

Ein bisschen schüchtern neugierig fragte ich die Polizisten, was der weiße Porsche denn eigentlich verbrochen hätte. „Der weiße Porsche wurde geklaut!“ Aha! Wusste ich’s doch! Mit so einem Gefährt tut man sich keinen Gefallen! Wie gewonnen, so zerronnen! Wenn man nix hat, kann einem auch nix geklaut werden! Innere Werte lassen sich nicht stehlen! Mit denen kann man sich nicht über die polnische Grenze aus dem Staub machen!

Ich gab den beiden noch den Hinweis, dass ich mich, wenn ich einen Funken krimineller Energie in mir tragen würde und gerade einen weißen Porsche geklaut hätte, auf direktem Wege über irgendeine Grenze führe. Andere Länder, andere Sitten, Spuren verwischen. Ich behielt für mich, dass ich nicht einen Feldweg entlangfahren würde, der im Nirgendwo endet. Ich fühlte mich kurz wie im Tatort und dann verabschiedeten wir uns alle.

Das saubere Auto mit den Zivilpolizisten rollte langsam wieder los und blieb nach ein paar Metern nochmal stehen. Der Fahrer stieg aus und Frau Eckbert wurde panisch. Schlechte Erfahrungen mit bayrischen Polizisten sitzen offenbar sehr tief. Er streifte sich seine kugelsichere Weste ab und setzte sich zurück ins Auto. Dann fuhren sie davon.

Den ganzen Nachmittag noch hörten wir das Knattern von Hubschraubern.

Diese Geschichte hat keine Moral und keinen durchdachten Ablauf und ist deswegen jetzt einfach vorbei. Sie handelt von der Freude über Freundschaft, der Liebe zur Absurdität und warum man besser keinen weißen Porsche hat.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s