Gewusst wie.

Die Sache ist nämlich die: Survival Guide folgt mir jetzt auf Instagram.
Obwohl er das Folgende überhaupt nicht weiß, aber zu Recht, denn: Ich habe hervorragendes Sauerteigbrot gebacken, Deo gemacht, Waschmittel hergestellt und Haarshampoo. Doomsday kann kommen, ich habe einen 5 Kilo-Eimer Natron, mir kann alles egal sein und es ist genug für alle da.

Gutes Brot braucht Zeit, das hat man ja schon mal gehört. In meinem Fall hat es ein Jahr gedauert und zahlreiche vergurkte Sauerteigstarter gekostet, bis mir kürzlich ein Graubrot gelungen ist, das meine Oma vor Stolz erglühen lassen hätte, da bin ich mir sicher. Da meine Oma nicht mehr glühen kann, habe ich das übernommen und jedem, der mir über den Weg lief, eine Scheibe in den Mund geschoben, mit erwartungsvoll aufgerissenen Augen. Und tatsächlich, jedem sprudelten ein paar Komplimente aus dem Mund im Gegenzug. Es war wundervoll.
So ein Sauerteig ist einem Tamagotchi ja nicht unähnlich. Zwar hatte ich nie eins, aber dieses Versäumnis wird nun nachgeholt mit Weizenwilli und Roggenrudi. Das Buch sagt, man soll seinen Sauerteigen Namen geben, um das Verantwortlichkeitsgefühl ihnen gegenüber zu steigern.
Bis ich mich wirklich kompetent fühle und es auch bin, vergeht sicherlich noch ein weiteres Jahr, weil es die eine Sache ist, einen Sauerteigstarter zu machen, aber eine andere, den Teig richtig zu behandeln, aus dem dann ein Brot werden soll. So viele Faktoren, von denen mir nicht immer alle kontrollierbar zu sein scheinen, haben ihre Finger im Spiel. Temperatur und Zeit allen voran. Und zahlreiche noch Unbekannte.
Es ist ein sehr schöner Moment, wenn es draußen -15 Grad kalt ist und man ein frisch gebackenes Brot aus dem Ofen holt und auf ein Brett zum Auskühlen legt. Ich habe mein Gesicht ganz nah darüber gehalten, da war es so schön warm und hat so gut gerochen. Ja, ich weiß, dass das komisch klingt. Aber es ist nicht moralisch verwerflich und tut niemandem weh. Im Gegenteil. Ich empfehle jedem, sein Gesicht mal in der Wärme und dem Duft eines selbstgebackenen Sauerteigbrotes zu baden. Danach möchte man niemals mehr irgendwem weh tun oder eine moralisch verwerfliche Tat begehen.
Wer sich für den Weg zu diesem Ziel interessiert, lese bitte unten die Anleitung zum Sauerteigstarter.

Mit dem 5 Kilo-Eimer Natron kann ich, sofern ich denn möchte, für den Rest meines Lebens Deo herstellen. Und für euch alle gleich mit.
Ich finde es ja total toll, wenn man sich auch in solcher Hinsicht ein wenig selbst ermächtigt und nicht auf die geheimen Zutaten irgendeiner Firma angewiesen ist. Ich fühle mich dann so kompetent und gewitzt.
Dieses Deo funktioniert, ist extrem günstig, produziert fast keinen Müll und man verlagert seine Abhängigkeit von einer Industrie auf eine andere. Abwechslung ist ganz wichtig im Leben!
Dasselbe gilt für Waschmittel und Haarshampoo. Ich habe Waschmittel „gekocht“. Und es geht sehr gut. Wenn man nicht gerade so einen Frischewäscheduftfetisch hat und seine Pullis und Höschen mit all den Duftkomplexen bedenkt, die der Markt so zu bieten hat, kann man trotzdem behaupten, dass die Wäsche durchaus gut und absolut frisch riecht. Durch das Leben hier noch etwas sensibler geworden für die Absurdität käuflich erwerbbarer Produkte, stockt mir manchmal der Atem, wenn ich sehe, dass es so Produkte wie „Wäscheparfüm“ gibt. Ich glaub irgendwie, das ist Quatsch. Waschmittel riecht ja meistens schon sehr stark. Weichspüler erst recht. Den halte ich auch für Quatsch. Mit Weichspüler behandelte Handtücher sind eine totale Enttäuschung für mein Gefühl.
Ich finde es gut, wenn Menschen und Wäsche einen leichten Duft mit sich rumtragen, aber auch einfach nach gar nichts riechen finde ich schon vollkommen ausreichend und olfaktorisch oft auch sehr erholsam.

Haarshampoo ist ein weiteres, hochergiebiges Experimentierfeld. In Wirklichkeit zerschlage ich mir nämlich gar nicht bei jeder Dusche ein Entenei über dem Kopf.
Zuletzt habe ich mir aus Kernseife, Wasser und Zedernöl Haarshampoo gemacht. Das erscheint mir bisher auch sehr gut. Aber danach muss man eine Spülung mit Apfelessigwasser machen, weil die Haare sonst knatschig sind. Der Geruch verfliegt tatsächlich und das auch sehr schnell, nämlich beim Trocknen.

Es gibt bestimmt einige Produkte, die schwer zu ersetzen sind, deren Professionalität man in der eigenen Küche nicht erreichen kann. Spülmittel zum Beispiel. Schwierig. Kommt vielleicht noch. Hoffentlich.
Aber bei vielen Produkten erliegt man wahrscheinlich einem Irrglauben. Oder gleich mehreren. Dass man sie braucht, obwohl das in Wirklichkeit vielleicht gar nicht stimmt (Spülmaschinendeo). Dass sie nur funktionieren, wenn sie industriell hergestellt sind, einem Regal entnommen und bezahlt wurden. Ich stelle jedenfalls an mir selber fest, wie gehirngewaschen ich mich in vielerlei Hinsicht benehme und habe ein nicht zu unterschätzendes Vergnügen daran, die eine oder andere Überzeugung aufzuweichen und neue zu entwickeln.

Wie die Ökobilanz meiner bisherigen Experimentergebnisse aussieht, weiß ich noch nicht im Detail, aber es ist ein guter Anfang und vermutlich noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich bin jedenfalls froh, wenn ich ein paar Sachen weniger einkaufen mus und weiß, wie man die Dinge herstellt die ich brauche. Einmal habe ich mich dann mit den einzelnen Inhaltsstoffen auseinandergesetzt und das neu errungene Wissen in meine Experimente einfließen lasse. Auch hier finde ich es spannend zu wissen, wie sich diverse Mittelchen zusammensetzen und wie sie funktionieren, anstatt einfach irgendeine Zauberei einzukaufen, von der man keinerlei Ahnung hat.
Außerdem entspannt es mich einfach ungemein, wenn etwas von so viel Einfachheit und Unkompliziertheit geprägt sein kann. Es bedarf zwar eines gewissen anfänglichen Aufwands in Form von Geduld und Mut zum Scheitern, aber wenn man es dann einmal raus hat, hat man um so mehr Ruhe.
Und weil ich weiß, dass die meisten von euch keine Zeit, Geduld und was man sonst noch so braucht für all die viele Forschung haben, könnt ihr euch hier einfach an den Früchten meiner Arbeit bedienen:

Meine Recherchen haben ergeben, dass die Art der Tenside in allem was wäscht ein Problem darstellen, je nachdem, welcher Herkunft sie sind. Erdöl und Palmöl sind zu vermeiden, aber andere Pflanzenöle sind sowohl in der Gewinnung als auch im Abbau eine gute Wahl. Kernseife bestand zumindest früher aus Tierknochen, heute, wenn sie pflanzlicher Herkunft sind und preiswert, aus Palmöl und die einzige Marke die ich bisher gefunden habe, deren Kernseife auf unbedenklichen Pflanzenölen basiert, ist sonett und ich glaube auch alnatura.

Anleitungen:

Sauerteigstarter:

1. Tag:
50g Roggenmehl (bio, Vollkorn oder hohe Drehzahl, z.B. 1050) und 50 ml Wasser in einem Marneladenglas vermischen und 24 Std. stehen lassen.
Bei Zimmertemperatur (ca. 20 Grad) und mit nur aufgelegtem Deckel, die gesamte Prozedur über.

2.Tag
Wieder 50g Mehl und 50 ml Wasser zu dem Teig vom Vortag zugeben, mischen und 24 Std. stehen lassen.

3. Tag
Nochmal das Ganze.

4.Tag
Der Sauerteigstarter ist fertig, kann verschlossen und in den Kühlschrank gestellt werden. Oder man backt ein Brot damit.

Was hier passiert, ist dass das Mehl fermentiert. Milchsäurebakterien, die in der Luft herumschwirren, machen den Teig sauer und sorgen dafür, dass er ein paar Blasen wirft. So wie bei Sauerkraut und all den anderen wilden Dingen, die man so fermentieren kann.

Aus diesem Gemisch kann man nun, wenn man ein Brot backen will, eine gewisse Menge entnehmen und einen Sauerteig daraus herstellen.

Da er ziemlich lebendig ist, muss er regelmäßig gefüttert werden. Das macht man bestenfalls 1 x pro Woche und mindestens alle zwei Wochen.

 

Sauerteig füttern:

Man misst 50g der zuvor benutzten Mehlsorte ab und fügt ihr 50ml warmes Wasser hinzu.
Dazu gibt man 10g des alten Sauerteigstarters. Das vermischt man gut und stellt das Glas mit losem Deckel erneut bei Zimmertemperatur für 8-12 Stunden ab. Dann ist er oder sie gefüttert und kann zurück in den Kühlschrank.

 

Deo:

Man braucht eine kleine Sprühflasche. Und Natron*. Das sind diese kleinen antiquierten grünen Packungen bei den Backzutaten. Oder man kauft einen 5 Kilo-Eimer.
Und wenn man möchte, ätherische Öle.

Man kocht also etwas Wasser, lässt es abkühlen, aber nicht komplett, denn es sollen ein oder zwei Teelöffelchen Natronpulver eingerührt werden und das soll sich auflösen.
Fertig.
Das Natron löst sich nicht voll und ganz auf und ein paar Krümel verbleiben. Entweder filtert man das Ganze dann nochmal, oder man vermeidet es, die Flasche zu schütteln. Man kann auch den Schlauch ein wenig kürzen, damit die Partikel, die sich am Boden evtl. absetzen nicht eingesaugt werden und den Sprühkopf verstopfen.

Dazu kann man ein paar Tropfen irgendwelcher ätherischen Öle geben, die man gut findet. Salbei oder Zitrone, Lavendel oder Rose. Oder Rosmarin.

 

Haarshampoo:

15g Kernseife raspeln und in 120ml Wasser auflösen. Rühren!
Wenn die Mischung handwarm ist, ein paar Tropfen Zedernöl dazugeben.

Man braucht etwas mehr davon und muss es gut verteilen und einarbeiten.

 

Haarspülung:

Für die saure Rinse, also die Apfelessigspülung, schütte ich einen Schluck Apfelessig in eine leere Milchflasche und lasse einen kleinen Löffel Honig mit reintropfen. Die Flasche nehme ich mit unter die Dusche und fülle sie mich warmen Wasser dort auf und schütte es über meinen Kopf.

 

Waschmittel:

Dafür braucht man 4EL Soda*, 30 g geraspelte Kernseife, 2 Liter Wasser und evtl. ätherisches Öl.

In einem hohen Topf kocht man in dem Wasser das Soda und die Kernseife auf und rührt, bis alles aufgelöst ist.
Dann lässt man es eine Stunde stehen und kocht es nochmal kurz auf.
Dann lässt man es 6-24 Stunden stehen, kocht es nochmal auf und irgendwann hat das Gemisch eine puddingartige Konsistenz bekommen.
Wenn alles abgekühlt ist, kann man ätherisches Öl zugeben. Lavendel oder Zitrone, oder beides oder etwas ganz anderes.

 

*Noch eine kleine Aufklärung zu Natron, Soda und der Substanz, die man zur Herstellung von Seife benötigt:
Natron ist Natriumhydrogencarbonat.
Soda oder Waschsoda ist Natriumcarbonat. Das findet man im Geschäft bei den Putzsachen.
Beides sollte nicht miteinander verwechselt werden.
Am allerwenigsten zu spaßen ist mit Natriumhydroxid, auch bekannt als „Ätznatron“ und wird zur Herstellung von Seifen benutzt.

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