Frage und Antwort. Menschen und Maschinen.

F: Wer ist eigentlich Uwe-Bob? Woher kennst du ihn? In welchem Verhältnis steht ihr zueinander?

A: Uwe-Bob ist mein Mitbewohner. Also eigentlich ist er das Alter Ego meines Mitbewohners. Er hat sehr große, schiefe, wilde Zähne und unter seinem Truckercap kommen lange, ungepflegte Haare hervor. Er hat eine sehr schlechte Körperhaltung und einen dicken Bauch, über die er immer ganz unvorteilhaft seine Jogginghose fast bis zur Brust hochzieht.

Er liebt dieses Lied: https://www.youtube.com/watch?v=ldE800eFJps

Er hat ein gutes Herz, kennt sich total gut mit Karaoke aus und liebt Blumen und Katzen. Wir haben uns über das wwoofen kennengelernt. Wir stehen in einem freundschaftlichen Verhältnis zueinander. Wir sind vieles in einem: Freunde, Mitbewohner, aber im Garten und am Haus arbeiten wir ja auch zusammen. Wir haben aber auch andere gemeinsame Projekte. Z.B. twerken üben. Das ist aber wirklich sehr schwer, auch wenn es ganz leicht aussieht. Vor allem gleichzeitig zu atmen ist fast unmöglich, also twerken und atmen gleichzeitig meine ich. Außerdem gehört ihm das Haus. Eins meiner zahlreichen Alter Egen ist Miss Schnuck. Sie ist eine hervorragende Sekretärin und hat immer immer rot lackierte Fingernägel mit denen sie auf ihrer Tastatur herumklappert. Sie hat immer alle wichtigen Unterlagen griffbereit. Jeder hat hier sein eigenes Handtuch. Aber das war ja gar nicht die Frage. Das webbernet ist kein safer place. Da muss man sich ein paar Namen ausdenken, damit sich niemand ans Bein gepisst fühlt.

 

F: Hattest du bereits irgendwelche Connections in Brandenburg?

A: Nicht wirklich. Nur Uwe-Bob. Wir haben uns gut verstanden und ich bin ein paar mal hier gewesen, bevor ich dann für 3 Monate blieb und jetzt hier wohne. Sonst kannte ich niemanden. Jetzt kenne ich schon ganz schön viele Leute.

 

F: Sehnst du dich manchmal nach deinem alten Leben in der Stadt? Oder nach einigen Aspekten?

A: Nein.

 

F: Wie leicht oder schwer findest du es, neue Freundschaften an deinem neuen Wohnort zu schließen?

A: Ziemlich leicht. Die abseits der Arbeit misanthropisch introvertierte junge Frau mit den vielen bösen Gedanken unter dem Pony, hat sich hier zu einem kleinen Sonnenschein entwickelt. Einerseits gibt es sehr gute nachbarschaftliche Verhältnisse, aber es haben sich auch Freundschaften entwickelt.
Helga und Anette kommen ungefähr einmal die Woche, informieren sich über sämtliche Neuigkeiten und erklären einem irgendetwas, wonach man nicht gefragt hat, z.B wie Grützwurst hergestellt wird. Sie sind der Inbegriff des brandenburgischen Nachbarn, der den Berliner Zugezogenen mit hochgezogener Augenbraue argwöhnisch und nicht ohne Verachtung bei der Arbeit über die Schulter guckt und mit härtester Endgültigkeit sagt: „Dit würd nüscht!“ Wenn ein Sturm den Hühnerstall umgeblasen hat und Uwe-Bob in Berlin ist, kann ich in Pyjama und Gummistiefeln zu Tom und Christa wetzen und die helfen mir dann, den Stall wieder so hinzustellen, dass die Hühner die Leiter runterkönnen.
Mit dem Jäger, der damals kam, als ich das Reh angefahren habe, hab ich mich auch angefreundet. Wir sitzen jetzt nicht beim Tee und plaudern Intimes aus, aber ich habe ihm beigebracht, mir nicht mehr allzu oft auf die Brüste zu gucken, er hat mir geholfen, einen Anhänger für mein Häuschen zu finden und zu transportieren und wenn ich ein riesiges Feuer mache, in einem der Feuerverbotsmonate, verpfeift er mich nicht.
Eine wirkliche Freundin ist Frau Pikant geworden. Wenn ich 65 bin, will ich auch wie Frau Pikant sein. Sie ist öfters mit ihrem Hund an unserem Haus vorbei spaziert und wir waren uns auf Anhieb offenbar sehr sympathisch. In unserem ersten längeren Gespräch ging es um Schnecken, weil ich gerade einen Eimer voll Schnecken im Arm hielt als unsere Wege sich kreuzten. Sie hat gesagt, dass sie ihre gesammelten Schnecken immer zu der alten Ruine bringt und sie dort ihre Schneckenparty feiern sollen. Da wusste ich gleich: Die Frau ist eine gute Frau. Wir haben uns zum Tee verabredet und sie hat mich in ihre Sauna eingeladen. Sie hat nämlich eine kleine runde Tonnenholzsauna im Garten. Da gehen wir manchmal zusammen rein und zwischendurch sitzen wir auf ihrem riesigen Sofa, ruhen uns aus und erzählen uns Dinge. Dabei stellte sich eines Abends heraus, dass Frau Pikant die Jane Fonda der Hühner ist! Ich konnte kaum glauben, was sie alles über Hühner zu berichten wusste! Praktisch jedes Mal, wenn wir zusammen etwas länger Zeit zusammen verbringen, stellt sich irgendein neuer hochinteressanter Aspekt an dieser Frau heraus. Das sind jedenfalls die schönsten Freundschaften, in denen man sich gegenseitig neue, interessante Dinge zu berichten hat und sich bei Bedarf seelische Unterstützung sein kann. Als so jemand hat sich auch meine neue Nachbarin herausgestellt, Frau Eckbert, die auf die Schweine und Hühner im Gutshausgarten aufpasst, während die eigentlich dort stationierten Hippies anderswo überwintern. Wahrscheinlich wird sie nicht nur Wintervertretung, sondern auch hier herziehen, was ich sehr begrüße, weil sie eine absolute Bereicherung ist. Wir gehen manchmal zusammen mit den Hunden spazieren, verlaufen uns im Wald, versorgen uns gegenseitig mit Suppe, Fisch und Brot und helfen uns mit den Tieren.
Herr Schnuppke ist natürlich auch mein Freund. Keine Frage.

 

 

F: Warum kaufst du dir keine Küchenmaschine?

A: Küchenmaschinen sind laut, hässlich und nehmen Platz weg. Man muss sie zusammen- und auseinanderbauen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Sie stehlen mir die kostbare Zeit, in der ich Kohl mit einem großen Messer kleinschneide und dabei ein Hörbuch hören oder mich mit jemandem unterhalten kann. Solange ich mir den Luxus gönnen kann, keine Küchenmaschine zu benutzen, werde ich es tun. Handarbeit ist einfach zufriedenstellender für mich als Maschinenarbeit. Außerdem denke ich daran, wie ich in Zukunft in meinem Häuschen leben werde. Ich werde mir nicht dauerhaft Strom dahinlegen. Ich möchte eine kleine Solaranlage oder etwas vergleichbares. Dementsprechend suche ich nach stromsparenden Wegen und gewöhn mich schonmal dran. Außerdem finde ich es gut, zu wissen, wie lange die Dinge ohne Tricks eigentlich so brauchen, wieviel Mühe in etwas drinsteckt, stolz darauf sein zu können, etwas so richtig richtig selber gemacht zu haben.

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