Frage und Antwort. Das Eingemachte.

 

Da ich oft viele Fragen gestellt bekomme und die sich öfter auch mal wiederholen, mache ich jetzt mal so eine Interviewreihe und hoffe das Passende für jeden ist dabei. Ich nehme auch weitere Fragen entgegen.

F: Wie sah dein Leben aus, bevor du aufs Land gezogen bist?

A: Ganz gut eigentlich. Vorher habe ich lange in Neukölln gewohnt. Ich habe als Buchhändlerin in bezaubernden kleinen unabhängigen inhabergeführten Buchläden gearbeitet. Das war sehr schön. Ich hatte eine tolle große günstige Altbauwohnung, bin zum Yoga, ins Kino, Theater und Essen oder auf Konzerte gegangen, habe meine Freunde getroffen, Ausflüge gemacht, Krimis geguckt und Chips gegessen. Es war jedenfalls alles andere als schlimm, so grob betrachtet. Ich war auch nicht furchtbar angekotzt von allem oder so, jedenfalls zuletzt nicht maßgeblich mehr als sonst auch. Aber ein bisschen langweilig war mir dann irgendwann schon, auch wenn ich immerzu beschäftigt war.

 

F: Was ist passiert, das dich dazu bewogen hat, aufs Land zu ziehen?

A: Mehreres. Zuerst einmal bin ich auf dem Land groß geworden. Idyllisch war es zwischen einer Autobahn und einer Hauptstraße zwar nicht, aber mein Opa war im Nachhinein betrachtet ein ziemlich guter Selbstversorger – wie wohl die meisten Großeltern unserer Generation. Wenn man mit Gartengemüse aufgewachsen ist, wird man sich mit Supermarktgemüse nie wirklich zufrieden geben können, glaube ich. Ich war als kleines Kind fasziniert davon, wie die Menschen früher gelebt haben und bin es  bis heute geblieben. Ich wollte in den Wald und Wildschweine jagen und Dorfleben zelebrieren, wie bei Asterix und Obelix. Vieles von dem, was ich jetzt tue, erinnert mich an meine Kindheit und ich stelle fest, dass sich da ein Kreis schließt und ich ganz viel mache, was ich als kleines Kind schon toll fand. Peter Lustig und Janoschs Traumstunde haben einen erheblichen Teil dazu beigetragen. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der auf dem Land aufgewachsen ist, irgendwann wieder auf dem Land wohnt, schätze ich auch höher ein als bei jemandem, der in der Stadt groß geworden ist.
In einem Sommer vor ein paar Jahren habe ich einen roadtrip durch Amerika mit einer Freundin gemacht. Solch eine Reise bietet viel Raum für weitschweifige Gespräche und wir haben über unsere jeweilige Zukunft sinniert. Der andauernde Anblick dieser endlosen Weite auf dieser Reise hat sich irgendwie mit meinem Innenleben vermischt und Platz gemacht für Ideen, Wünsche und Inspiration, wie es mir auf meinem neuköllner Sofa so schnell vermutlich nicht widerfahren wäre. Da haben sich vage Pläne herauskristallisiert, z.B., dass ich ja mal wwoofen könnte.
Als ich wieder in Deutschland war, erzählte mir eine Freundin von jemandem, der in Brandenburg einen alten Bauernhof gekauft hat. Das fand ich sehr interessant. Da hab ich auch mal nach Bauernhöfen im Internet geguckt und exzessiv zu träumen begonnen. Das steigerte sich irgendwann in eine Art Miniwahn oder Vision oder sowas ähnliches. Ich war schwer verliebt in meine Idee, so sehr, dass ich vor Aufregung nachts manchmal nicht schlafen konnte, weil ich mit offenen Augen daliegen musste und überlegt habe, wie ich realisieren kann, wovon ich plötzlich so heftig zu fantasieren begonnen habe.
Ab da war es jedenfalls in meinem Kopf und hat sich entwickelt und ich habe immerwieder nachgedacht, habe angefangen an ein paar freien Tagen in Brandenburg zu wwoofen und den Leuten Löcher in den Bauch zu fragen und ihre Antworten für meine Situation zu verwerten.
Dann gab es einen Sommer, in dem es mir gar nicht gut ging. Wie ich an anderer Stelle ja schon angedeutet habe, ist Sommer in der Stadt nicht meine Lieblingszeit. Unter meiner Sonnenbrille rollten Tränen hervor. Als es mir wieder besser ging, habe ich mir einen Plan überlegt und ihn nach und nach mit viel tiefem Durchatmen umgesetzt. Klassischerweise war das eine Krise, aus der etwas Gutes und Neues hervorgegangen ist. Ich habe eine Art Bestandsaufnahme gemacht und festgestellt, was mir gefällt und nicht gefällt an der Stadt, was mich eigentlich hält, tatsächlich oder eingebildet, wovor genau ich überhaupt Angst habe und ob diese Ängste begründet oder irreal sind, was mir wirklich wirklich wichtig ist im Leben und wo und wie sich das alles am besten leben lässt, wie ich und die Dinge sich in den vergangenen Jahren verändert haben und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind. Hab ich auch nicht anhand eines Ratgebers an einem Abend mit einem extra Notizbuch gemacht, sondern über Monate hinweg mit besagten Tränen und ein paar sehr ernsten Gesprächen und hitzigen Debatten mit mir selber und schlaflosen Nächten mit klopfendem Herzen und aufgerissenen Augen vor lauter Ungeduld und Vorfreude.

 

F: War das ein langer Entscheidungsprozess? Oder ging das alles ganz schnell?

A: Von der sogenannten „Vision“ bis heute sind glaube ich 2 oder 3 Jahre vergangen. Ich bin etwas vergesslich. Superschnell ging der ganze Prozess jedenfalls nicht vonstatten, erst musste ich ja wüst fantasieren, dann sortieren und überprüfen, zwischendurch auch mal was anderes machen und alles auf Eis legen, wwoofen, mit Leuten reden, eine Krise kriegen und daraus meine Schlüsse ziehen. Außerdem habe ich eine Probezeit eingerichtet, wie eine Art Sabbatjahr, Silvester beginnend, in dem ich meinen Wunsch überprüfen und mir Zeit für eine Entscheidung genommen habe.
Die endgültige Entscheidung ging dann allerdings doch viel schneller als ich mir ursprünglich Zeit eingeräumt hatte. Nämlich bereits nach 4 verstrichenen Monaten und nicht erst im Spätsommer oder Herbst. Das Probejahr kann man hier auf dem Blog nachlesen. Uwe-Bob und ich haben aus irgendeinem Grund angefangen uns mit tinyhouses zu beschäftigen und ich hatte zuviel Peter Lustig geguckt in den Wintermonaten als ich mal krank war. Dann kam so eins zum anderen und bereits vor Ende des Jahres war meine Wohnung in Berlin gekündigt und meine Meldeadresse hatte sich geändert.

 

F: Wie steht es mit dem Tiny House?

A: Der Wagen, der mal ein Taubenstall war, ich abgerissen, sämtlicher Müll mit einem Container entsorgt. Der Anhänger, also das horizontale Gerüst mit 4 Rädern, steht im Garten, ist entrostet und eingepinselt und überwintert dort gerade. Die Pläne werden Ende des Monats fertig sein und dann nochmal überprüft. Dann werde ich das erste Material kaufen und Ende März mit sämtlichen Grundlagen beginnen: dem Untergrund auf dem das Häuschen stehen soll und dem Boden des Hauses selbst. Im April wird alles abgedeckt, weil das Wetter zu unberechenbar ist. Ab Mai wird dann richtig gebaut. Über 20 Leute haben mir ihre Hilfe in der einen oder anderen Form zugesagt. Das macht mich jetzt schon unheimlich glücklich. Ich hoffe das bleibt so bis alles fertig ist.

 

in Kürze folgt…..

 

  • Warum aufs Land und nicht in eine andere Stadt? Ein anderes Land? Oder auf eine Insel? Zum Beispiel Bali?
  • Hattest du bereits irgendwelche Connections in Brandenburg?
  • Wie bestreitest du deinen Lebensunterhalt?
  • Was ist aus deinen Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen geworden?
  • Sehnst du dich manchmal nach deinem alten Leben in der Stadt? Oder nach einigen Aspekten?
  • Fühlst du dich manchmal allein? Ist das anders, als sich in der Stadt allein zu fühlen?
  • Du deutest in deinem Blog hier und da an, dass du Geschäftsideen hast. Oder projiziere ich das in dich hinein?
  • Wer ist eigentlich Uwe-Bob? Woher kennst du ihn? In welchem Verhältnis steht ihr zueinander?
  • Warum kaufst du dir keine Küchenmaschine?
  • Hast du ein Auto (zur Verfügung)? Wenn nein, hättest du gern eins?
  • Ich habe hin und wieder eskapistische Stadtfluchtgedanken. Aber dann sagt irgendeine Stimme in mir, meine Probleme würden ja dann eh mit mir mitkommen, also bringt es gar nichts, zu flüchten. Wie war das bei dir? (In der Annahme, du hattest/hast auch sowas wie Probleme…)
  • Bekommst du manchmal Besuch?
  • Wie leicht oder schwer findest du es, neue Freunschaften an deinem neuen Wohnort zu schließen?
  • Wovor hattest du am meisten Angst in Bezug auf deinen Umzug?
  • Was ist das Beste an deinem neuen Wohnort?

 

 

 

2 Kommentare zu „Frage und Antwort. Das Eingemachte.

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