15- Die kleine Tornisterelfe

Seit einer Woche bin ich wieder bei Uwe-Bob und nachdem ich das Frühlingsfest auf dem Gutshof letztes Wochenende verdaut und ein paar Tage entqueckt habe, bin ich langsam wieder richtig hier und ich habe meine Entchen alle wieder in einer Reihe. So schön das Frühlingsfest war, so nicht so schön waren die zwei darauf folgenden Tage. Was soll man auch erwarten von einer Party, die mit einem Kreistanz beginnt und einem durch den Garten springenden Mann mit Stirnband und Tornister auf dem Rücken, der sich für eine Elfe hält, endet. Enden sollte. Spätestens.

Ich habe mich im Kreistanz versucht und mir die größte Mühe gegeben, einfach mal so mitzumachen, meine Sozialkompetenz war aber trotzdem nicht so lange aufrechtzuerhalten wie bei den anderen. Ich war aber auf jeden Fall besser als Uwe-Bob, der sich zwar aus dicker Wolle und einer Mütze eine Dreadlockperücke gebastelt hatte, um sich an sein Umfeld anzupassen, aber schnell wie der Blitz weg war, sobald zum Kreistanz gerufen wurde. Ich war auch erstmal ein bisschen erschöpft und wir haben dann bei einer echt guten Karaokesession neue Kraft und frischen Mut gesammelt.

Gut, nach all dem und auch der vorangegangenen Woche war es jedenfalls super, zwei komplette Tage auf dem Acker zu verbringen und der Quecke weiter zu Leibe zu rücken, eine in jeder Hinsicht sehr erdende Tätigkeit und bestens geeignet, um sich/mich wieder zu normalisieren und nicht mehr so verduddelt in der Luft zu hängen. Seitdem ist alles wieder cool, ich bin voller Kraft und Ideen und freue mich auf alles was da kommt. Gestern habe ich einen Ausflug zu meiner nächsten und dann schon letzten Station gemacht, wo es einen workshop zum Bau einer Trockentrenntoilette gegeben hat, was mich aus zahlreichen Gründen interessiert. Und es war ein wirklich schöner, informativer, gut organisierter workshop. Passenderweise gab es einen Teilnehmer, der alle 20 Minuten furchtbar laut und kräftig gepupst hat, nein, das klingt zu niedlich, es war eher ein lautes Furzen, das er von sich gegeben hat. Das war schon ziemlich irritierend, ich war mir anfangs nicht ganz sicher, ob er das vielleicht so als Witz meint, wo es ja eh den ganzen Tag um Fäkalien geht, haha, jetzt lass ich mal einen fahren. War aber überhaupt nicht so. Hat einfach ein Gesicht gemacht, als ob sein Hintern eben seinen eigenen Kopf hätte und er keinerlei Kontrolle über die Geräuschkulisse. Dass ausgerechnet er dann die Frage gestellt hat, wie man das Tabu überwindet, mit kompostierten menschlichen Ausscheidungen zu düngen, hat mich dann in endgültiges Staunen versetzt. Da steh ich auf einem Kloworkshop auf einem alten Rittergut und neben mir knattert jemand die ganze Zeit so vor sich hin und ich frage mich, welche Faktoren mich eigentlich schonwieder in diese spezielle Situation gebracht haben. Naja.

Was das Projekt „queckefreie Strecke“ betrifft, gibt es mittlerweile nach all den Wochen die Verkündung zu machen, dass ich einen Teilbereich befreien konnte und am Freitag Erbsen, Zwiebeln, Pflücksalat und Lupine gesät/gesteckt habe. Es ist ein sehr schönes Gefühl, wenn man ein Stück Boden so lange bearbeitet hat, bis man endlich Erde vor sich hat, in die man etwas hineintun kann, woraus dann hoffentlich etwas anderes wächst als Quecke. Ich könnt euch noch viel erzählen, ich könnte aber auch Musik hören und im Blumenbeet buddeln, darum wünsche euch allen einen schönen Sonntag, tanzt in den Mai, kauft euch ein paar Steine in Kreuzberg beim Späti und trefft bitte niemanden am Kopf.

https://www.youtube.com/watch?v=RYuxvhqOsWI

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