14- Zurück im Palindrom

Liebe Verfolger, stille und laute, jeder der sich Sorgen gemacht hat, kann nun damit aufhören, weil Uwe-Bob mich heute Mittag in sein Heim zurückgeladen, mir einen selbstgepflückten Blumenstrauß aus dem Garten vor die Nase gesetzt und angeordnet hat, dass wir von nun an 20 Minuten täglich singen und ich mit gerührtem Herzen friedlich Latzhose und T-shirts zurück ins Schrank geräumt und die Dunkelkammer zurückbezogen habe. Nach der unglücklichen Erfahrung mit einem schwierigen Mann in Bullerbü fühlen sich Witeks Pfotenhiebe in Richtung meiner Hausschühchen (neue Saison) heimelig und vertraut an. Für all jene, die sich gesorgt haben, was so schlimm gewesen ist, dass ich Bullerbü verlassen habe und all jene, die es trotzdem lesen, weil sie nicht wissen, wo es weitergeht im Text: Sexismus, Hypermaskulinität und eine eigenwillige Definition von Arbeit haben mich zu meinem Abschied bewegt. „Ich sitz jetzt hier mit 4 Frauen an einem Tisch als einziger Mann“. Wen interessiert das denn, außer jemanden, der offenbar das Gefühl hat, sich ständig beweisen zu müssen, mit allen Stereotypen, die für falschverstandene Männlichkeit zur Verfügung stehen? Ständig beklatscht, gelobt, vermisst oder gefeiert werden zu müssen, fühlt sich für nicht-Familienangehörige auch irgendwie übergriffig an. Vor einer Woche, als ich noch so aufgeladen mit all den guten, tollen und aufregenden Dingen an diesem Ort war (siehe Nr. 13), war ich noch guter Hoffnung, dass Bemerkungen wie „Du (Frau) warst aber auch schonmal schneller mit Wäsche zusammenlegen und wegräumen“, entweder nicht ernst gemeint waren, oder wenigstens Anlass zu einer erfolgreichen Debatte sein könnten. Als ich auf diese Bemerkung hin gesagt habe, dass man diese Arbeit ja einfach kurzerhand selber erledigen könnte, wenn einen das Liegenlassen derselben so stört (wenn andere Leute gerade nicht funktionieren warum auch immer, dann kümmert man sich um sein eigenes Wohlbefinden und findet dann Abmachungen mit den betroffenen Personen sobald möglich, egal ob Penis oder Vulvina) bekam der Raum zur Antwort, dass „er als Mann ja noch niemals in die Verlegenheit gekommen sei, solcherlei Arbeit zu verrichten und auch nicht beabsichtigt, sowas in Zukunft zu tun.“ Uff. In einer natürlichen Welt sollte es eher darum gehen, wer welche Tätigkeiten lieber oder am wenigsten ungerne macht, anstatt es nach Geschlecht aufzuteilen, hab ich so gelernt im Laufe der Zeit…. Da bekam ich innerliches Tourettes. Nicht ganz ohne vorheriges, aber dann auch aktuelles Interesse habe ich mir folgendes Buch gekauft: http://buchhandlung-stadtlichter.shop-asp.de/shop/action/productDetails/31989634/jack_urwin_boys_don_t_cry_3960540426.html?aUrl=90009278&searchId=0

Ein anderes hervorragendes Buch, das meine Ex-Quasichefin mit bahnbrechendem Erfolg im Buchladen eingeführt hat, wurde von meinem Gastgeber leider auch nicht verstanden, nämlich http://buchhandlung-stadtlichter.shop-asp.de/shop/action/productDetails/31721126/jacky_fleming_das_problem_mit_den_frauen_3462050249.html?aUrl=90009278&searchId=26 Ja, genau, das Problem mit den Frauen. Ein ironisch zu verstehendes Buch, das sich mit den verschwundenen Frauen im Geschichtsunterricht, den angeblich zu klein geratenen Gehirnen und Gerippen und Händen von Frauen beschäftigt auf eine, wie ich dachte, so einleuchtend ironisch und augenzwinkernde Art mit den jahrhuntertealten Vorurteilen und Stereotypen Frauen gegenüber beschäftigt, dass ich es nicht für möglich gehalten hätte, dass jemand die Nachricht nicht versteht, aber doch, es gibt völlig ironie- und witzfreie Menschen, die dermaßen mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind, dass sie einfach nicht sehr viel drumherum bemerken. Abgesehen von diesen Schwierigkeiten kamen wir außerdem zu dem Punkt, dass Tiere den ganzen Tag über versorgen, Ziegen melken, Stall ausmisten, Holz stapeln, Kinder betreuen, putzen, kochen, Haushalt, und diverse andere Dinge erledigen, in meinen Augen Arbeit ist, für den Hausherrn hingegen nicht, was für derlei Unmut gesorgt hat, dass ich nach einer innerlichen Auflistung von Schieflagen dieser Art, den geplanten Besuch meiner lieben alten Freunde kurzerhand als Abholoption genutzt habe. Nach einer wilden Woche bin ich also nun wieder bei Uwe-Bob, zurück bei den dicksten roten Tulpen, die schon beinahe obzön wirken und dem verwirrenden Aprilwind, der die Agrarwüste im Hintergrund fegt. Es war sehr schön in Bullerbü, ich hab euch nix vorgemacht, aber der Typ war nicht zum Aushalten und das ist zum Glück wirklich nicht meine Baustelle.

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