7- Bambi o’clock.

Auf dem Heimweg von meiner Spinngruppe letzte Woche habe ich ein Reh angefahren. In der Dämmerung sind diese Tiere ja sehr aktiv und obwohl ich nach dem ersten, das mir vor die Motorhaube gesprungen ist, schnell abgebremst habe, hat es trotzdem noch eins von denen erwischt, die hinterherkamen. Als ich ausgestiegen bin, lag es zappelnd am Straßenrand und ich habe schnell das Auto an die Seite gefahren und unseren Nachbarn angerufen, der wiederum hat den Jäger benachrichtigt und beide haben sich auf den Weg zu mir gemacht. Das war nicht weit, hat sich aber doch sehr lange angefühlt. Als ich dem Reh näher kam, hat es ganz schwer geatmet und ich habe es etwas gehalten, was wahrscheinlich nicht tun soll. Irgendwann hat es sich tatsächlich sogar etwas aufgesetzt, die Zunge hing ihm seitlich aus dem Maul und irgendwo kam Blut her, aber es war keinesfalls völlig matschig und hat auch nicht mehr gezuckt. Zwischendurch hat es gerülpst und ganz lang die Luft angehalten, da dachte ich, jetzt geht es zu Ende und hab auch die Luft angehalten, aber dann hat es doch weitergeatmet. Jedenfalls saßen wir da ziemlich lang und ich war voller Bedauern, bis die beiden kamen und das Reh einfach weggelaufen ist, als sie gerade ausstiegen. Der Jäger hat dann wahnsinnig viel geredet, ich hab kaum ein Wort verstanden, weil ich noch so angefüllt mit Bedauern war, aber schlussendlich hatten wahrscheinlich alle Glück und ich hoffe, dass das Reh überlebt hat.

Ist alles nicht so leicht mit den Tieren hier, zumindest was Wild, angebundene Pferde und Hunde in Zwingern angeht. Umso besser geht es jetzt den Enten draußen, sie machen morgens immer Sex im Planschbecken und sind augenscheinlich bester Dinge. Mein Pferd darf jetzt auch wieder nach draußen, seitdem der Boden nicht mehr gefroren und damit nicht mehr so gefährlich ist. Das hat mich sehr erleichtert. Letztens habe ich mich mit der Bewohnerin eines Hofes in einem Dorf in der Nähe getroffen. Dieser Hof liegt so abgeschieden, wie ich es noch überhaupt gar nicht erlebt habe. Nachdem man durch 2 bereits wirklich kleine Dörfer gefahren ist, von denen eines aus, ich glaube 5 Häusern besteht, muss man noch eine Weile Feldweg fahren und sogar noch einmal abbiegen, bis man auf diesem schönen Vierseithof steht. Uwe-Bob war fast die ganze Woche renovieren in Berlin, da dachte ich, ich kann mal ein bisschen fremdgehen und anderen Leuten bei der Arbeit helfen. Und das war auch sehr schön. Wir haben an einer Benjeshecke weitergebastelt, das ist eine Hecke aus Ästen und Zweigen, in der viele verschiedene kleine Tiere wohnen und sich dann freuen können und ich mich mit ihnen. Die Verbesserung von Tierwohnungen oder bei der Erstellung eines neuen Habitats mitzuwirken, bereitet mir große Freude und Zufriedenheit.

Nach dem Frühlingsausbruch hat es erstmal schnell viel geregnet und es war alles sehr neblig und düster. Das ist ja wirklich so eine Sache mit dem Wetter hier, es strukturiert den Tag, bestimmt die Aufgaben und fühlt sich jeden Tag wie ein kräftiger Händedruck an, mit dem sich eine immer andere Type vorstellt im Vergleich zur Stadt, wo mir das Wetter meistens sehr fern und untergeordnet scheint. Ich fühle mich jedenfalls sehr nah am eigentlichen Geschehen, wenn man das so ausdrücken kann.

Linda, Uwe-Bob’s noch-Teilzeitgärtnerin und ich haben heute angefangen, Gemüse vorzuziehen. Paprika und Auberginen und noch ein paar andere Sachen. Die Kiste hat es nun warm neben dem Ofen und wird von einer Lampe beschienen. Ab nun wird es bestimmt leichter, morgens aufzustehen, weil ich sehen will, ob schon etwas aus der Erde guckt. Draußen sind nun die ersten Blümchen zu sehen, Winterlinge und Minischneeglöckchen. Schön, schön, schön!

So, und zur weiteren Einstimmung nun eine weitere Folge Samenkatalog-Poesie: Duftender Sternbalsam, Spiegeleiblume, Federnelke, Balsampappel, Polsterrraute, Erdrauch, Hirschzungenfarn, Meerfenchel, Persischer Flieder, Gamander, Glaskraut, Hauhechel, Hederich (so würde ich mein ungewolltes Kind nennen), Sumpf-Helmkraut, Bittere Schleifenblume (würde Hederich dann eine Suppe draus zubereitet bekommen), Parmaveilchen, Wolfstrapp, und mit der „Rockenbolle“ endet diese Kategorie. Ich hoffe, ihr konntet alle ein Gewächs finden, mit dessen Namen ihr euch identifizieren könnt.

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