5- Pony gefunden.

Ich habe ein Pony gefunden. Aber ich weiß noch nicht, ob wir miteinander glücklich werden. Vergangene Woche hat Liliana mir und Uwe-Bob das Haus um die Ecke gezeigt, das ihr Verflossener gekauft hat. Da stand im Dunkeln ein Pferd. An einer Kette angebunden im Stall, weil der keine richtige Tür hat und es sah gar nicht gut aus. Es war ungefähr so wie bei den Fünf Freunden oder TKKG, wenn eine Ungerechtigkeit entdeckt wird und die das dann in Ordnung bringen müssen. Ich bin später im Dunkeln also mit Schubkarre, einem Eimer Wasser und einem Gemüsefach voll Möhren zu dem Pferdchen zurück und habe mir die Situation beguckt, die nicht so schlimm war wie der erste Eindruck, aber auch wirklich nicht gut. Ich konnte mich erst wieder darum kümmern, als ich zurück aus Berlin war und habe zufällig auf der Straße den Besitzer bei einem Schnack mit dem ältesten Mann hier, Herrn Schnuppke, am Briefkasten getroffen, als ich wieder Wasser dorthin gekarrt habe. Ich habe mich den beiden vorgestellt und sie wollten natürlich wissen, was ich da gemacht habe, da hat sich erst herausgestellt, dass der eine von ihnen für die missliche Lage verantwortlich ist. Das sind ganz nette alte Männer, aber eben auch so typische harte Hunde, die einem dann erklären, dass die Viecher früher ja auch nicht den ganzen Tag was zu saufen gehabt hätten, wenn sie auf dem Feld geackert haben etc. Schwierig zu streiten mit Leuten, die eigentlich nett sind und sich nicht im Geringsten darüber bewusst sind, wie scheiße es ist, ein Pferd zu haben, das im Winter monatelang in einem dunklen Stall steht Tag und Nacht, sich nicht um die eigene Achse drehen kann und die Wand anstarren muss. 2 Eimer Wasser kriegt, aber gerne mehr trinkt. Gestern sind Uwe-Bob und ich also dorthin, weil ich mir die Erlaubnis abgeholt habe von dem Besitzer, mit dem Pferd spazieren zu gehen. Ich hatte mir das alles ein bisschen anders vorgestellt, weil ich noch nie mit einem Pferd zu tun hatte, das seit Monaten auf ein und demselben Fleck steht. Mit spazieren hatte das jedenfalls nichts zu tun, eher kontinuierliches Bremsen von meiner Seite aus. Nach 3 Minuten tat mir der Arm weh, weil ich das Pferd so sehr zurückhalten musste und habe mir Gummistiefel mit Spikes gewünscht. Hätte ich mich draufgesetzt, hätte ich vermutlich in einer halben Stunde in Berlin sein können, am Meer, oder in Krakau. Gras am Wegesrand hat dann aber doch erstmal gebremst(Futter) und auf dem Rückweg ging’s schon etwas besser. Trotzdem war diese Kraft ziemlich überwältigend und mein Mut, ein neues Pflegepferd zu haben, ordentlich gesunken. Aber wenn es beim ersten Mal nicht abgehauen ist und ich es halten konnte, wenn auch unter größter Kraftanstrengung, dann wird es beim nächsten Mal glaube ich nicht noch mehr Dampf auf dem Kessel haben. Ich bin für jeden Hinweis dankbar.

Papa und Mama jetzt bitte folgende Passage überspringen, das Besuchsverdienstkreuz geht dieses Mal an Tony Montana, den schrecklichsten aller Exfreunde, der sich den schrecklichsten aller Decknamen ausgedacht hat und mir schicksalsausgleichenderweise ein Freund geworden ist (Musik setzt ein) und mir einige neue Tätowierungen gemacht hat, von denen ich mir verspreche, dass sie mir einen exotischen Anstrich verleiht. Im einzelnen handelt es sich dabei um den Schriftzug „Ethel Crux“, die Band, die ich nie hatte, auf meiner rechten Schulter. Es musste unbedingt so geschrieben sein, wie die Jungs mit Flaumbart in der Schule „Metallica“ auf ihre Stiftemäppchen gekritzelt haben. Desweiteren zieren nun zwei Striche mit einem Punkt in der Mitte meine Handoberflächen, ein kleine Tanne die von links nach rechts auf meinen Fingern der linken Hand wächst und die Buchstaben „bisschen“, die die Innenseiten meiner Finger bedecken. Dass ich mich bis dahin schon angeschickert habe, war auf jeden Fall schlau, denn Kinder kriegen ist sicher ein anderer Schmerz, aber die Fingerinnenseiten waren mein persönliches Baby und ich will kein zweites. Uwe-Bob hat mir eine kleine Entspannungsmassage gegeben währenddessen und irgendwann ist ja sowieso alles vorbei. Ja, es tat weh. Sehr sogar. Aber übermorgen hab ich’s vergessen und außerdem fühle ich mich dafür jetzt ganz verwegen und das ist gelegentlich ganz schön. Und weil meine Eltern ja sowieso alles lesen: Das liegt alles nur daran, dass ich kein Pony gekriegt habe. Dann geraten Töchter eben schnell auf die schiefe Bahn.

So, die größten Aufregungen in diesem Brandenburger Fenster sind nun auch schon vorbei. Ansonsten ist es hier weiterhin einheitlich grau und kalt, das ist aber nicht so schlimm, die armen Laufenten haben nun ein Vogelgrippe-sicheres Gehege mit Tageslicht, was mir die Nächte leichter macht und sonst gehen die Tage so ins Land damit, Schals zu vernähen, sich Sauerteig-Teig von den Händen zu schaben, Termine mit Ofenbauern zu haben, Uwe-Bob den Harald-Glöckler-Türmchenofen auszureden und Samentütchen zu datieren.

Wo ich grad bei Samen bin. Auf zur Samenkatalog-Poesie!

Mongolischer Steppenlauch, Sojabohne „Funke“, Wunder von Kelvedon, Radieschen „Parat“, Buttercup Borgess, Steckrübe „Terchova“, Rapunzelglockenblume, Zuckerwurz, Glückskleerübchen, Sandhafer, Schwarzer Senf, Gezähnter Leindotter, Kreuzwolfsmilch, Färberwaid, Spörgel, Felsenblümchen, Bechermalve, Papierblume, Schleierkraut, Trompetenzunge, Silber-Immortelle (macht bestimmt unsterblich).

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