4- Jeder Katze ihre Kiste.

Mit den kleinen überschaubaren Highs, die ich von Aspirin Complex bekomme, habe ich die Woche mit Erkältung als alleinstehende Minihofbetreuerin ziemlich gut verbracht. Dazu etwas Hustensaft und den Kefir nicht vergessen, der entgegen Uwe-Bob’s Behauptung nämlich doch Alkohol enthält, hätte ich diese Woche vielleicht gar nicht Auto fahren dürfen. Musste ich aber irgendwann mal. Dieser Kefir, den wir uns machen, hat mich zwar nicht vor der Erkältung gerettet, erklärt aber vielleicht einen Teil des Verves der mich durchfährt, nachdem ich so ein Glas gestürzt habe.
Falls irgendwann doch mal die Stimmung sinkt, gibt es aber immernoch dieses Buch so ein Buch über  Kleinpferde hier, das schnell Abhilfe schaffen sollte. Und da ich prophylaktisch schonmal reingeblättert habe, konnten mich die zahlreichen grauen Tage, an denen sich überhaupt gar nichts am Himmel abgespielt hat, nicht mal an der äußersten Schicht kratzen.

Erst habe ich zwar noch das Badezimmer gestrichen (eine unspezifische dunkle „Keinfarbe“ ist nun zu einem recht klinischen, hellen OP-Türkis geworden; Helga nennt diese Farbe „warm“, ich hab einfach nicht weiter nachgefragt), aber am nächsten Tag ging es mir zu schlecht und ich habe den ganzen Tag „Mein Superschnäppchenhaus“ auf youtube geguckt und war völlig gebannt. Leider gibt es nicht so viele Folgen, also habe ich mir auch noch angeguckt, wie man Blockhütten baut und in tiny houses lebt und hatte ein kleines wildes Fieber.
Sehr viel mehr als die Tierchen zu versorgen und auszumisten ist dann diese Woche nicht passiert. Naja, ich habe Liliana versucht zu helfen, ein Wildschwein gewissermaßen küchenfertig zu machen, mit gemischten Gefühlen von Ratlosigkeit und Faszination bin ich dann heimgefahren.
Ich habe Max Frisch „Der Mensch erscheint im Holozän“ gelesen und war nicht so begeistert, aber was lese ich auch immer die Bücher, für die die gelobten Autoren eben nicht berühmt wurden. Es ist mir noch sehr neu, einfach zu lesen, was mir so in den Sinn kommt. Im Moment verkaufe ich ja keine Bücher (abgesehen von den paar, die ich Uwe-Bob aufquatsche) und „wohne“ auch nicht mehr im Buchladen, wie ich mich regelmäßig versprochen habe, das verändert mein Leseverhalten natürlich. Dazu gäbe es jetzt vieles zu sagen, das ich aber nicht sage.

Ich finde es hier ja alles sehr schön, aber was ich ungemein bedauerlich finde, ist dass es keinen Wald in unmittelbarer Nähe gibt. Und ich hab Wald doch so gern. Was einem fehlt, darüber kann man ja lesen, das ist ja u.a. das tolle daran, also habe ich mal einen für mich eher unüblichen Griff gemacht und mich dem Phänomen „Peter Wohlleben“ zugewandt, nein, natürlich nicht das Buch, das ihn reich und berühmt gemacht hat, sondern „Der Wald. Eine Entdeckungsreise“. Peter Wohlleben scheint so der Steven King auf populärnaturforstwissenschaftlichem Gebiet zu sein, bis knapp über die Hälfte hatte ich jedenfalls schon 3x mit den Tränen zu kämpfen, weil jede aufgefressene Knospe, jeder unwiederbringlich zusammengestampfte Waldboden, Kahlschlag, geschlagene Baum mit Schwarzstorchnestern oder wer weiß wem der da gebrütet hat – Apokalypse, das ist auf jeden Fall das Gefühl in dem alles mündete. Malwieder. Da stand Entdeckungsreise drauf. Ich wollte mal schön in den Wald entführt werden, auf Entdeckungsreise gehen und dann wieder nur Apokalypse, Jäger gegen Wohlleben und andersrum, junge Buchen mit schrecklicher Jugend, Fichten und Kiefern die nicht hier hergehören und sich ganz fehl am Platz fühlen, Baumschulen, die in ihren Zurechtschneidungen an Zuchthäuser längst vergessener Tage erinnern, Entwurzelung wohin man blickt, da kommt keine Behaglichkeit auf. Ich weiß nicht, wie er auf dem letzten Fünftel jetzt noch die Kurve kriegen und Hoffnung spenden will, oder ob es bloß ein weiteres Buch ist, dass einen hilflos im Graben liegen lässt. Ihr werdet es erfahren, im nächsten Brandenburger Fenster – oder vielleicht auch nicht. „Das Seelenleben der Tiere“ von Wohlleben traue ich mich jedenfalls garantiert nicht zu lesen!

Zurück in die Welt ohne Bücher (ich hoffe das kommt jetzt nicht zu Maxim Biller-Arroganz-mäßig rüber):
Helga und Anette sagen immer „Drojerie“, so wie in „Janine“. Ich finde das natürlich total kurios und noch kurioser, mich in einem sozialen Umfeld zu bewegen, wo es niemand komisch findet, wenn ich so komisch rede. Drojerie Drojerie Drojerie. Aber bei dm waren die beiden noch nie. Sie wissen nicht mal, dass dm eine Drojerie ist. Das muss man erstmal hinkriegen.
Gestern habe ich Erwin kennengelernt. Er wohnt in einem Gebäude, das zum Gutshaus gehört und ich wollte eigentlich nur wissen, ob von denen jemand Zuhause ist, nachdem ich niemanden finden konnte. Es hat geschätzte 3 Minuten, eine gefühlte Viertelstunde gedauert, bis ich herausgefunden habe, dass er es nicht weiß. Das ist beides sehr lang gemessen am Umfang der Information. Ich bin schon lange nicht mehr in ein dermaßen verwirrendes Gespräch verwickelt worden wie mit diesem Mann mit den vielen kleinen versprengten Adern auf den Wangen und der Bierflasche die aus seiner Hosentasche guckt. Verrückter Typ, aber irgendwie lustig.
Mein Teebeutelschnipsel sagt: „Hab die Menschen gern, so wie sie sind.“

Apropos Menschen gern haben: Das Besuchverdienstkreuz geht diese Woche an Pascal, seinen Sohn Leo und Nils, die mir heute Nachmittag einen Überraschungsbesuch abgestattet haben. Also das war mal wirklich eine Überraschung und eine sehr herzwärmende dazu. Ich finde es sehr gut, wenn aus weinseligen Ideen des Vorabends Wirklichkeit wird und dass sie sich am nächsten Tag ins Auto gesetzt haben, um einen Kaffee mit mir zu trinken.
Wir haben Johannisbeerküchlein gebacken und Pasta gemacht und zum Nctisch gab es Joghutz mit Schießpulver. Wie schön. Nils hat mir noch mein Sternzeichen am Himmel gezeigt und dann sind sie wieder davon.

Genug der Realität, weiter mit der Samenkatalogpoesie:
Blutpflaume, Winterjasmin, Goldregen, Kornelkirsche, Lachsbeere, Gelber Nachtschatten, Eisbohne, Federblume, Löwenohr, Russische Traube, Mexikanisches Zwerg-Gürkchen, Feigenblattkürbis, Frühzauber, Elefantenrüssel, Balkonstar, Rote Murmel, Olirose (evtl. auch Krankheit?)
Nicht so poetisch: die Stockbohne Margret, Einlochbohne Hause, Braune Hartschielen und die Pimpernuss.

Und wo wir jetzt schon gedanklich mitten in der Natur sind und ich ja weiß, dass sich viele von euch fragen, wie es eigentlich mit dem Sauerteig weitergegangen ist, oder ob ich neue Beautytipps habe:
Beide Sauerteige sind hinüber. Total vergurkt. Der selbstgemahlene ist eingetrocknet, der andere zu einem schimmeligen Schleim geworden. Yeah! Ich probiere es nun auf eine andere Weise. Ich lerne gerne.

Lieblingsmomente: Ganz oft höre ich einen Specht. Und sonst nichts. Ich habe eine Postkarte bekommen <3. Witek quetscht sich seit Tagen in einen kleinen Karton, den ich mit einem Handtuch ausgelegt habe. Tiny curled up balls of joy.

Der Uckermark-Kurier hat einen ganzseitigen Bericht über ein abgestelltes grünes Sofa vor einem anderen Haus abgedruckt – da lacht die Neuköllnerin!

In diesem Sinne –

habt einen schönen Sonntag

eure LogLady

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