1- Wähle dein eigenes Abenteuer

Liebe Ladys, liebe Gentlemen und alle anderen, willkommen zum ersten Brandenburger Fenster. Ein guter Anfang ist sicherlich, allen ein gesundes, schönes und frohes neues Jahr zu wünschen, da ich in den ersten 3 Tagen des Jahres keine Gelegenheit dazu hatte, aber da hatte ich auch noch Schluckauf vor allgemeiner Aufregung. Zwei besonders mutige Menschen haben sich zu Silvester hierher getraut und wir haben mit den zwei bezaubernden Andreas aus Ecuador („our parents are rich, they’re corrupt“), die hier seit Weihnachten waren, ein sehr schönes Jahresende verbracht und exzessiv Karaoke gesungen. (https://www.youtube.com/watch?v=Tosky-ZNbRw) Den Vortag habe ich genutzt, um mir den Teleskopraum auf dem Dachboden einzurichten, wo ich jetzt wohne. Es ist der einzig bewohnbare Raum da oben und auch wenn es nicht leicht ist, ihn warm zu halten, mag ich es gern dort. Die Holzwände sind OP-grün gestrichen und es gibt zwei Ponyposter, das sind schon zwei Lieblingsdinge auf einmal, somit hat der Raum gewonnen. Und wenn ich routinierter im Ofen beheizen geworden bin, richten wir uns vielleicht eines Tages das Teleskop ein, das dort steht und gucken, ob auf dem Mond schon ein Hotel gebaut wird. In dieser Woche habe ich ca. 70-100 Fliegen totgemacht. Sie freuen sich, dass geheizt wird, aber nur kurz. Nicht nur Fliegen müssen hier sterben. Auch die Enten Hope und Destiny leben nicht mehr und wurden aufgegessen, wenn auch nicht von mir. Ich war am ersten Abend noch nicht bereit und habe höflich lächelnd den Reis gegessen. Auch der Montag begann mit dem Tod. Wir haben ein Huhn geschlachtet, das seit ein paar Tagen ein kaputtes Bein hatte und Montag einfach sitzen geblieben ist. Schien also, als sei es Zeit zu sterben. Helga aus dem „Neubau“ (= Plattenbau) nebenan war auch da. Uwe-Bob hat ein Jahr lang um ihre Sympathie gebuhlt mit selbstgemachtem Kuchen und zahllosen anderen Charmeoffensiven. Jetzt sind sie Freunde und Helga kommt immer rüber, stellt ein Bein irgendwo auf die nächstgelegene Sitzmöglichkeit, guckt durch die Gegend und ballert unablässig irgendwelche Tipps und Tricks raus nach denen man nicht unbedingt gefragt hat, manchmal aber auch schon. Zum Beispiel wie man Hühner ausnimmt und was es dabei zu beachten gibt. Gut, also Kopf ab, ich habe NICHT gekotzt, Huhn am Feldweg für Fuchs, Marder, Waschbär, Biber und wer hier sonst noch so rumläuft abgelegt. Danach habe ich Holz gehackt, um die Anspannung des Morgens zu verflüchtigen und mittags sind wir chinesisch essen gehen gefahren, warum nicht.

Wenn ich die vergangene Woche in flüssige Prosa umsetzen wollte, säße ich noch bis Montag hier, darum verfasse ich nun eine schöne Auflistung der Tätigkeiten, denen ich nachgegangen bin. Heuballen in den Stall transportiert, Zitronenbäume reingeholt, umgeräumt, aufgeräumt, Vögel und Katzen versorgt, Ställe ausgemistet, Saatkataloge durchgearbeitet (teilweise poetischer als so manch Literaturkatalog), gestrichen,  Liliana kennengelernt (polnische Frau die aus dem Nichts auftauchte und seitdem Uwe-Bobs beste Freundin sein will) Kefir gemacht, laufen gegangen, geputzt geputzt geputzt, Ofen repariert, geheizt geheizt geheizt, Gartenplan gemacht, gekocht, Schneemännchen gebaut, nach L. gefahren und die erste Reichsbürgerin im Lottogeschäft ausfindig gemacht, Kohle geholt, Kohle geschleppt geschleppt geschleppt, Holz gehackt, wie schnell sich das alles schreiben lässt und wie lange es in Echt dauert!

+++Außerdem habe ich die Dunkelkammer besuchsfertig gemacht und nehme ab sofort Anmeldungen an. In 1-2 Wochen wird es auch wieder Karaoke geben. Kommt alle her!+++

Uwe-Bob kann viel besser stricken als ich. Er kann sogar Pullis! Mein Gastgeschenk für ihn war das schöne Buch „The manly Art of Knitting“, ich hatte keine Ahnung was für eine Eule ich da nach Athen trage. Wir haben abends zusammen gestrickt und eine Musikmischung gehört, die jeden erschauern lassen würde, der den Abend nicht mit uns gemeinsam verbracht hat. Mittlerweile ist alles seit 3 Tagen eingeschneit. Davor gab es Sturm (Axel oder Alex, da war die Zeitung flexibel in der Namensgebung) und Regen, berauschende rosa Sonnenuntergänge. Ist auf jeden Fall immer was los mit dem Wetter. Vorgestern bin ich um 10 vor 6 aufgewacht, weil ich dachte ein Ufo landet auf dem Feld. Es hat etwas gedauert, bis ich die Geräusche und visuellen Effekte dem Schneemobil zuordnen konnte. Über Einsamkeit kann ich bisher noch nicht klagen. Den ersten Abend sind wir bei den Hippies gegenüber im Gutshaus zum Essen eingeladen gewesen, der Abend wäre eine hervorragende Vorlage für einen Lokalkrimi gewesen, dann gibt es Helga und Liliana die offenbar öfter mal vorbeikommen, UweBob ist außer am Wochenende auch immer da und jetzt finde ich es ganz gut am Wochenende mal allein zu sein und zu gucken wie das so ist mit dreieinhalb Katzen. Witek, die anderthalbste Katze, ist glaube ich eigentlich ein Bär, aber kein freundlicher. Er hat mich mehrfach angegriffen, wenn ich durch die Küche gegangen bin. Einfach so. Warum auch nicht, mag mancher fragen. Ich glaube Witek schielt etwas und hält meine neuen Puschen für 2 fremde Tiere. Das kann ich ihm nicht verübeln, weil die Puschen überlebenssichernde Puschen sind und wirklich so groß, dass es da schon mal zu Verwechslungen kommen kann. Einer meiner zahlreichen Lieblingsmomente in der vergangenen Woche war, als die andere Katze, Space, mir auf den Schoß gesprungen ist beim Frühstück. Katzen sind ja so anders als Hunde, aber auch weich und das ist ja was zählt. Mein Herz hat in dem Moment jedenfalls auch einen Sprung gemacht und jetzt sind Space und ich Freundinnen. Sie hat leider gar keine Selbstkontrolle, aber sie schielt nicht und hat außerdem eine rosa Nase. Schon gewonnen. Weitere Lieblingsmomente waren das Wintergewitter mit Sturm und Hagel am Vormittag, als ich den Hühnern ihr Staubbad eingerichtet habe (die armen Hasen dürfen wegen der Geflügelpest nicht raus seit einem Monat), nachts das Fenster aufzureißen, weil es plötzlich viel zu heiß ist und tausende von Sternen und den Mond zu sehen, der Geruch vom trocknenden Holz in der Ofenluke, den Feldweg entlangzujoggen und mir die Luft in die Lunge beißen zu lassen, heiß baden, Auto fahren/rollende Disko und Nickerchen machen.

Gut, mittlerweile habe ich eine große Kanne Tee getrunken, schneie weiter ein und gucke mal, was sich mit dem Wochenende noch so anfangen lässt. Ich denke, ich werde mal versuchen etwas Ukulele spielen zu lernen. Ukulele ist gut für die Seele hab ich mal gelesen. Ich hab euch alle lieb.

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